Auf in den Norden von Lanzarote. Auch hier hat Vulkanismus weite Flächen in Malpais - von Lavagestein übersätes, ödes Land - verwandelt. Das geschah vor rund 4.000 Jahren und der Verursacher, der Vulkan Montaña Corona, steht als schlafender Riese, mit mächtigem Kegel alles überragend, in der Landschaft. Hier gibt es zwei Attraktionen zu entdecken: die Höhlen Cueva de los Verdes und die Grotten Jameos del Agua. Fast erübrigt es sich zu erwähnen, dass auch hier der Inselkünstler César Manrique mit seinen Ideen maßgeblich an der Gestaltung beteiligt war.



Zuerst besuchten wir die Cueva de los Verdes, ein Labyrinth aus Höhlen, die wie ein Kanalsystem über sieben Kilometer vom Vulkan Corona bis ans Meer führen. Natürlich ist nur ein kleines Stück davon für Besucher zugänglich, doch dieser Bereich ist mit Licht und mystischen Klängen wirkungsvoll in Szene gesetzt. Der Zugang erfolgt an einer Stelle, in der die Höhlendecke eingestürzt ist. Zunächst sammelten wir uns vor dem Eingang zu einer Gruppe und folgten dann unserem Führer den steil hinabführenden Weg ins Dunkel. Bei den Höhlen handelt es sich um Lavaröhren. Vor tausenden Jahren floss hier ein glühender Strom entlang, der von außen langsam erkaltete, während unter der erstarrten Haut das flüssige Gestein wie in einer Rohrleitung weiter dem Meer entgegen strebte. Wir erfuhren, dass wir uns in einem der weltweit längsten Lavatunnel der Welt befanden, der zu großen Teilen noch unerforscht ist und aus mehreren benachbarten Röhren besteht. Wie bei von Wasser ausgewaschenen Markierungen waren an den Felswänden die Pegel erkennbar, in welcher Höhe hier einst die Lava entlang geflossen war.



Der Weg durch die Höhlen ist zwar gut ausgebaut, doch höchste Aufmerksamkeit war geboten. Immer wieder gab es Stufen, legten sich Stolpersteine in den Weg, galt es den Kopf einzuziehen, schoben sich die Felsen zu engen Durchgängen zusammen, um sich dann wieder zu großen Hallen zu öffnen. Die eindrucksvolle Beleuchtung hob für uns das Spiel von Formen und Farben hervor, bis wir einen unterirdischen Konzertsaal erreichten. Bei dezenten gregorianischen Gesängen würdigten wir die perfekte Akustik - doch Konzerte, wurde uns erzählt, fänden hier nicht mehr statt, weil sich der Komfort der Gäste, beginnend bei den Toiletten, so weit unter der Erde nicht gewährleisten lasse. Seit Jahrhunderten jedoch sei dieser Ort für die Inselbewohner eine Kathedrale der Natur, in der sie früher gelegentlich vor Piratenangriffen Zuflucht suchten. Auf dem Weg zurück ans Licht gab es noch einen kurzen Halt an einem unterirdischen See. Wer dessen überraschendes Geheimnis erfahren möchte, muss sich jedoch selbst einmal hierherbemühen.



Auch die Jameos del Agua gehören zu der eben besuchten Lavaröhre und befinden sich ein gutes Stück näher am Meer. "Jameo" ist ein Wort aus der Sprache der Ureinwohner und bedeutet soviel wie "Loch in der Erde". Die Hohlräume hier sind teilweise eingestürzt und haben imposante Grotten gebildet. Hinunter gingen wir über einen serpentinenartigen Wandelgang aus Treppen, gesäumt von exotischen Pflanzen. Ein großes Sonnensegel, das wie ein Baldachin über den Eingang gespannt ist, tauchte den Hang in rötliches Licht und half unseren Augen dabei, sich an das Dunkel in der Grotte zu gewöhnen. Der Anblick hat einen wirklich unvergesslichen Zauber. Das grelle Tageslicht vom Ausgang gegenüber spiegelt sich in einem Salzwassersee, der von einem schmalen Weg gesäumt ist. Im See leben die berühmten blinden Albinokrebse, nicht größer als eine Cent-Münze, von denen nicht bekannt ist, wie sie hier her kamen. Ihr eigentlicher Lebensraum ist die Tiefsee des Ozeans, doch auch hier fühlen sie sich scheinbar wohl und sie krabbeln wie kleine Spinnen überall auf den Steinen im klaren Wasser. Der Wasserspiegel des Höhlensees, erfuhren wir, steigt und fällt im Wechsel der Gezeiten des nahen Atlantiks. Bei unserem Besuch, vermuteten wir, ging es wohl gerade auf die Flut zu.



Kaskaden aus Steintreppen auf der anderen Seite des Sees ging es dem nächsten Höhepunkt entgegen. Der offene Höhlengrund ist wie ein Paradiesgarten gestaltet: Ein in Weiß gefasster Pool, von Lavagestein und Palmen gesäumt und durch steil aufragende Felswände begrenzt, wirkt wie eine entrückte Oase. Da ist Manrique ein echtes Gesamtkunstwerk gelungen. Die Wege führen weiter in eine dritte Grotte, die als Veranstaltungssaal für 600 Gäste gestaltet wurde. Hier ein Konzert zu erleben und in der Pause am Wasserbecken vorbei zur offenen Bar zu schlendern, muss ein einmaliges Erlebnis sein. Wir schauten uns das Werbeplakat mit den nächsten Terminen an - und mussten uns mit unserem Vorstellungsvermögen begnügen.



Eine nächste Steintreppe hinauf kamen wir schließlich zum "Haus der Vulkane". Direkt über dem Felsendach der Hauptgrotte gibt es hier - informativ und unterhaltsam aufbereitet - viel über die Geologie und den Vulkanismus auf Lanzarote zu erfahren. Wir schlenderten mit wechselndem Tempo durch die Ausstellungsräume und genossen von einer Terrasse den Blick auf die idyllische Gartengrotte und die sie umgebende karge Lavalandschaft. Erst als wir wieder in unser Auto stiegen, spürten wir, mit wie viel Laufarbeit unser heutiger Ausflugstag verbunden war. Es war Zeit für den Hotelpool.

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Im Grunde ist die Überschrift ungenau, denn Spuren von César Manrique sind auf Lanzarote allgegenwärtig. Der Rundbau auf dem Feuerberg, der Kaktusgarten, die Grotte der Albinokrebse, die Windspiele an den Straßen und vieles mehr: alles von ihm. Trotzdem ist es so, dass wir diesen Urlaubstag dem berühmten Sohn der Insel widmen wollten, beginnend bei der von ihm gegründeten Stiftung in seinem ehemaligen Wohnhaus am Rand von Tahiche.



César Manrique war Künstler - Maler, Architekt, Bildhauer und Umweltschützer - und sah es als seine Aufgabe, die Insel Lanzarote zum schönsten Platz der Erde zu machen, an dem Tradition und Moderne, Kunst und Natur miteinander harmonieren. Viele sagen, es sei sein Verdienst, dass Lanzarote die extremen Auswüchse des Massentourismus erspart geblieben sind. 1992 kam César Manrique bei einem Autounfall ganz in der Nähe der Stiftung ums Leben.



Das Künstlerhaus ist ein wirkliches Schmuckstück. Die weißen Mauern und das schwarze Lavagestein ringsum stehen in prägendem Kontrast, um das Haus herum ein blühender Garten. Alles sehr gepflegt und bis ins Detail inszeniert. Natürlich hat César Manrique dieses Anwesen selbst gestaltet und bis 1988 bewohnt. Danach ließ er alles für seine private Stiftung umbauen und das Haus wurde fortan als Museum, Ausstellungsort, Künstlertreffpunkt und schließlich touristische Attraktion genutzt. Neben Werken von Manrique selbst gibt es in den Räumen auch Bilder von Picasso und Miró zu sehen. Ausgestellt wird auch seine Sammlung kanarischer Kunst. Besonders eindrucksvoll: Von den Bildern an den Wänden schwenkt der Blick auf ein Fenster, das selbst Kunstwerk ist, und durch dessen Glasfläche die Lavamassen in den Raum zu fließen scheinen.



Spektakulär ist auch das Untergeschoss. Unter dem Haus befinden sich fünf große Lavablasen, die durch Tunnel miteinander verbunden sind und als Wohnräume gestaltet wurden. Hier verschmelzen Natur und Architektur. Da strebt eine Palme durch eine Öffnung in der Decke dem Licht entgegen, da schmiegt sich eine geschwungene Sitzgruppe ins Gestein, dort fängt eine Skulptur die Blicke der Besucher - bis man einen in grün gefassten offen Hof mit Pool und gemütlich anmutender Grillecke betritt. Wir waren beeindruckt und mussten neidlos anerkennen, dass Señor Manrique geschmackvoll zu wohnen wusste. Fast vergaßen wir, dass es sich doch inzwischen um Ausstellungräume handelte.



Die nächste Station unseres Manrique-Tages war das Monumento Campesino - das Denkmal für die Inselbauern. Es befindet sich an der geografischen Mitte Lanzarotes, ist durch seine imposante Größe weithin sichtbar und das strahlende Weiß vor blauem Himmel macht es zu einem beliebten Fotomotiv. Die Skulptur, so wird berichtet, ist aus alten Wassertanks von Fischerbooten gefügt und soll einen Bauern mit seinen Arbeitstieren symbolisieren. Ein eindrucksvolles Kunstwerk, das dem harten und entbehrungsreichen Leben der Bauern gewidmet ist. Den ländlichen Traditionen und dem Handwerk widmet sich auch das Bauernmuseum gleich nebenan - zu dem außerdem ein in einer Vulkangrotte gelegenes Restaurant gehört.



Weiter geht es in den Norden der Insel, zum Aussichtspunkt Mirador del Rio. Am Rand eine Steilküste, mehr als 400 Meter über dem Meer, hat César Manrique hier eine Plattform in den Fels gesetzt, deren zwei runde Panoramafenster wie Augen in die Ferne schauen. Was früher eine Festung mit Geschützen war, wurde mit wirklich ambitionierter Architektur veredelt. Wir waren von der Kühle und Heftigkeit des Windes überrascht, doch der Blick in die schroffe Tiefe, über die Meerenge auf die kleine Insel La Graciose und in die Weite des Atlantiks entschädigten dafür. Drinnen vor den Panoramaaugen tankten wir bei Cappuchino und Pannini wieder etwas Wärme und waren erneut beeindruckt: diesmal von der extrem lauten Akustik des Raumes. Und noch ein Anekdötchen zum Schluss: Die Toiletten waren mit Hombres und Mujeres beschriftet - und die Herren, die des Spanischen auch nicht im Geringsten mächtig waren, fühlten sich von "Mujeres" magisch angezogen. Innerhalb weniger Minuten durfte ich mehrmals mit dem Hinweis aushelfen, dass es sich bei den Hombres um die Männer handelt.



Diese drei Stationen waren genug Manrique für einen Tag. Schließlich wollten wir noch etwas Sonne und Strand genießen. Über Haria mit dem Tal der tausend Palmen machten wir uns am frühen Nachmittag auf die Rückfahrt. Der Besuch bei den Jameos del Agua mit den Albinokrebsen war noch offen, wir kannten sie zwar bereits von unserem ersten Besuch aber freuten uns trotzdem darauf zu überprüfen, ob unsere Erinnerungen nur von der Zeit aufgehübscht oder tatsächlich begründet waren. Morgen also. Ein eigener Blogbeitrag folgt.

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Lanzarote ist sehr einprägsam strukturiert. Alles hat seinen festen Platz, meist gesellt sich auch ein Dorf dazu. An der Ostküste, links und rechts der Inselhauptstadt Arrecife, reihen sich die Hotels für die Touristen. Im Südwesten bildet Yaiza das Tor zu den Feuerbergen - in einem Kreisverkehr auf der Zufahrt werben übergroße Dromedare für das Angebot, auf dem Rücken von Kamelen durch vulkanische Einöde zu zotteln. In La Geria wird Wein angebaut, in Teguise ist Wochenmarkt, Haria liegt im Tal der tausend Palmen, hinter San Bartolome steht am geografischen Mittelpunkt der Insel das Monumento al Campesino. Und es gibt Guatiza, das von Kaktusplantagen umgeben ist und einen berühmten Kaktusgarten hat. Genau der war unser Ziel und mit seiner baumhohen, stählern-stacheligen Kaktusskulptur vor dem Eingang nicht zu verfehlen.



Der Feigenkaktus - botanisch: Opuntia - gehört eigentlich nach Mittelamerika und kam im 19. Jahrhundert auf die Kanaren. Er wird nicht seiner eigenen Schönheit wegen hier gehegt, sondern weil er die Wirtspflanze der Cochenille ist, einer hellgrau schimmernden Schildlaus, aus der sich ein roter Farbstoff gewinnen lässt, der bei anderen für Schönheit sorgt. Genau gesagt, tragen die Läuse Karmin in sich, das für ein leuchtendes Purpur sorgt und früher als Naturstoff zum Beispiel für Lippenstifte oder im Campari genutzt wurde. Die Ernte der Cochenillen ist recht rabiat: Die Larven der Laus werden abgeschabt, gekocht, getrocknet und dann pulverisiert. Es liegt auf der Hand, dass Unmengen von Schildlauslarven nötig waren, um einen nennenswerten Ertrag damit zu erzielen. Entsprechend groß sind die Opuntien-Felder, die rund um den Ort die Hänge säumen. Heute, konnten wir unschwer erkennen, lohnt sich der Aufwand nicht mehr, doch noch lebt die Tradition. Immer wieder sahen wir Flächen, die offenbar seit langer Zeit sich selbst überlassen waren. Die kleinen Cochenillen auf den Kaktusohren müssen hier keine Schaber mehr fürchten.



Um den Feigenkaktus in der Trockenheit Lanzarotes anzubauen, ließen sich die Bauern etwas einfallen: Die Setzlinge bekamen ein Bett aus Vulkanasche, in der sich die Feuchtigkeit aus dem Tau der Nacht sammeln konnte. Gleich am Dorfrand von Guatiza wurde früher diese Vulkanasche in großem Stil abgebaut und eine riesige Grube entstand. Diesen offenen Steinbruch gestaltete der Künstler César Manrique zu einem Kaktusgarten um. Die Pläne dafür lagen bereits seit den siebziger Jahren in seinem Schreibtisch. Doch erst 1989 konnten die Arbeiten beginnen und bereits zwei Jahre später wurde Eröffnung gefeiert - und entstanden war ein botanisches Kleinod: Etwa 5.000 Quadratmeter groß, mit mehr als 10.000 Pflanzen von über 1.400 verschiedenen Kakteenarten aus der ganzen Welt.



Wenn in Reiseführern steht, der Jardín de Cactus sei eine kunstvolle Kombination aus schwarzem Vulkangestein und grünen Kakteen und César Manrique habe es einmal mehr geschafft, Architektur, Kunst und Natur harmonisch miteinander zu vereinen, kann ich nur ergänzen: Der Kaktusgarten ist einfach wunderschön. Er mutet beim Betreten an wie ein Vulkankrater oder ein Amphietheater. Er ist terrassenförmig angelegt, die Ränge sind in mehreren Ebenen bepflanzt und können von den Besuchern betreten werden. In der Mitte des Gartens, den man schon eher als Park bezeichnen kann, gibt es eine kleine Teichlandschaft, um die herum sich die Spazierwege schlängeln. Wir nahmen uns viel Zeit und erkundeten jede Ecke und Pflanze in dieser Kaktusarena. In Vulkangestein gefasst und kunstvoll gestaltet fügen sich selbst der Souvenirshop, das Restaurant und die Toiletten als eigenständige Attraktionen in das Gesamtensemble ein.



Auf dem Rand des Kaktusgartens steht eine hübsch restaurierte Gofio-Mühle. In ihr, heißt es, wurde früher Maismehl gemahlen und sie sei bis heute gelegentlich in Betrieb. Von der Mühle aus hat man den wohl besten Blick über das gesamte Rund der Gartenanlage mit seinen Terassen und lauschigen Wegen - die für gewöhnlich von Besucherscharen bevölkert sind. Wir waren dem Rat gefolgt, unseren Rundgang erst für den Nachmittag zu planen, wenn die Busexkursionen schon wieder auf dem Heimweg sind. Auch wenn die Bilder fast anderes vermuten lassen: Wir waren nicht allein, hatten aber viel Platz und Muße.



Wer Kakteen mag, hat hier seine Freude. Wir sind keine Experten und können die exotischen Formen und Blüten nicht beim Namen nennen. Schwiegermutterstuhl ist keine nette Bezeichnung für einen Kugelkaktus, doch um einiges eingängiger als Echinocactus. Aber wir ließen uns begeistern und fotografierten was das Zeug hielt. Es war gar nicht so einfach, sich hier für eine kleine Auswahl zu entscheiden. Doch das Bild eines knorrigen Kaktusriesen kann die echte Begegnung mit seiner stacheligen Haut und seinen zarten Blüten ohnehin nicht ersetzen.



Zum Abschluss noch ein Resümee, das nicht wirklich überraschen wird: Wer auf Lanzarote ist, sollte sich den Jardín de Cactus nicht entgehen lassen.

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Feuerberge heißt auf spanisch 'Montañas del Fuego'. Sie standen heute auf unserem Programm und wir machten uns am Morgen auf den Weg in den Nationalpark Timanfaya. Timanfaya ist der Name eines der Dörfer, das die Vulkane bei den letzten großen Ausbrüchen auf Lanzarote unter sich begraben haben. Geblieben ist eine unüberschaubare, leblose Fläche aus Schlacke und Asche, durch die eine schnurgerade Straße den mächtigen Vulkankegeln entgegen strebt. Wir versanken regelrecht in dieser bizarren Welt aus Urgewalten, deren Stille nur vom Wind gestört wird, der sich an kantigen Felsen bricht. Der Teufel ist das passende Symbol für diese Landschaft. Das also bleibt übrig, wenn er die Höllentore öffnet, den Boden bersten und die Erde brodeln lässt. Und alle wissen: Er ist nicht fort, er schläft nur gerade.



Wir waren zeitig aufgebrochen, um nicht in den großen Ansturm der Bustouren zu geraten. Doch wir waren nicht die einzigen mit diesem Plan. An der Zufahrt zum Touristenzentrum des Nationalparks herrschte bereits reger Andrang. Was wir zunächst für einen Stau hielten, war eine sehr sinnvolle Warteschlange. Die Straße für die letzte Etappe den Vulkanberg hinauf war so schmal, dass der Verkehr wechselseitig geregelt werden musste. An Stelle eines Randstreifens gab es eine erhabene Kante für den Absprung ins Geröll. Abenteuerlich klein wirkte auch der Parkplatz am Ziel, doch sofort nahmen uns Einweiser in Empfang, die mit routinierten Handbewegungen das Chaos dirigierten. Bevor wir uns nach dem Aussteigen auch nur grob orientieren konnten, wurden wir direkt in einen bereitstehenden Bus komplimentiert: Zuerst eine Rundfahrt, sie ist im Ticketpreis inklusive.



Die Busrunde, so verstanden wir schnell, ist die einzige Möglichkeit, die Kraterwelt des Nationalparks zu erkunden. Die Streckenführung windet sich um die Vulkankegel, führt waghalsig in die Höhen, passiert schmale Furten und erreicht luftige Aussichtspunkte. Das ist nur etwas für wirklich versierte Buspiloten und die Rundfahrt wurde in vielerlei Hinsicht atemberaubend. Unterwegs wurden wir über die Buslautsprecher mit Anekdoten und Informationen versorgt: Drei Viertel der Insel sind von Lava bedeckt, rund 100 Vulkane haben über 300 Krater gebildet. Sechs Jahre dauerten die Ausbrüche im 18. Jahrhundert, sie transportierten acht Millionen Kubikmeter Eruptivmaterial aus dem Bauch der Erde. Noch heute betrage hier die Temperatur nur wenige Meter unter der Oberfläche mehrere hundert Grad. Doch eindrucksvoller als die Daten und Fakten war die Landschaft, die wie langsam passierten. Sphärische Musik verstärkte den Eindruck, durch eine unwirkliche Welt zu schweben, die erst vor einem Augenblick zu Stein erstarrt ist. Unsere Blicke wanderten in eine scheinbar leblose Ferne, die rostbraunen Vulkanhänge hinauf und hinab in die Abgründe von Kraterrachen.



Die wellenartig erstarrte Lava vor dem Fenster, die noch erahnen lässt, wie sie sich als zähe Masse vorwärts wälzte und auftürmte, hörten wir dem Bericht des damaligen Pfarrers aus Yaiza zu, der als Augenzeuge erlebt hat, wie sich am Abend des 1. September 1730 die Erde öffnete: "Ein gewaltiger Berg bildete sich bereits in der ersten Nacht und Flammen schossen aus seinem Gipfel. Wenige Tage später brach ein neuer Schlund auf ... Die Lava floss nach Norden, anfangs wie sprudelndes Wasser, später zähflüssig wie Honig. Doch am 7. September stieg mit unheilvollem Donnern ein riesiger Fels aus der Tiefe und zwang die Lava dazu, ihren Fluss nach Westen und Nordwesten zu wenden. Dort zerstörte sie die Orte Maretas und Santa Catalina. Am 11. September erneuerte sich die Gewalt der Lava. Sie bedeckte und verbrannte das Dorf Mazo und stürzte danach acht Tage lang als feuriger Katarakt unter furchtbarem Tosen ins Meer, so dass tote Fische in riesigen Mengen an der Oberfläche schwammen oder ans Ufer geworfen wurden." Viele der Inselbewohner seien damals nach Gran Canaria geflüchtet und konnten nicht ahnen, dass die Eruptionen noch über Jahre weitergingen. Der Mensch fühlt sich klein, im Angesicht solcher Naturgewalten - steigt ergriffen aus dem Bus und bummelt dann durch den Souvenirladen oder bestellt sich im Restaurant "El Diablo" ein halbes Hähnchen, das auf einem Grill über einer tiefen Erdgrube mit der Hitze des Vulkans gegart wurde.



Das Restaurant "El Diablo" (Der Teufel) wurde mitten auf einen Vulkankegel gebaut. Direkt vor den Panoramafenstern steigt die Gluthitze aus dem Boden. Das krümelige Basaltgranulat zu unseren Füßen war überraschend warm, als wir es in die Hand nahmen. In ein Erdloch wurden für die Touristen immer wieder mit einer Forke Heuballen gehalten, die unmittelbar in lodernde Flammen aufgingen. Besonders spektakulär: In ein in die Erde gelassenes Stahlrohr wird Wasser gegossen, dass bereits nach wenigen Metern auf Temperaturen von über 400 °C trifft und explosionsartig verdampft. Eine Fontäne aus Wasserdampf schießt in die Höhe und lässt die Zuschauer ehrfurchtsvoll einen Schritt zurückweichen. Wir schauten uns diese Attraktion mehrfach an und machten uns dann auf den Weg zum Besucherzentrum des Nationalparks Timanfaya.



Das Besucherzentrum ist auf einer weiten Ebene aus Vulkangestein direkt in die meterdicke Schicht erstarrten Gesteins hineingebaut. Die weißen Mauern gehen direkt in die wild aufgeschichtete Schlacke über. Hölzerne Stege führen in das Meer aus Lava hinein und wir konnten uns anschauen, wie in das tot wirkende Areal zaghaft und ganz langsam durch Moose und Farne wieder das Leben zurückkehrt. Im Gebäude gibt es interessante Informationen über den Vulkanismus allgemein und auf Lanzarote im Besonderen. In einem Raum konnten wir sogar die Simulation eines Vulkanausbruchs miterleben. Zwar fand die Multimedia-Show gerade in der französischen Variante statt, doch das Grollen des Berges, das Brodeln im Krater und das Fließen der Lava über die Felsen sind in jeder Sprache verständlich.



Es waren faszinierende Stunden, die wir bei den Vulkanen verlebt haben. Wer Lanzarote besucht, sollte sie sich nicht entgehen lassen. Am frühen Nachmittag machten wir uns auf den Weg zurück in unseren Urlaubsort, zu den Palmen und Stränden. Auch von dort waren die fernen Feuerberge jederzeit sichtbar, doch nach dem Besuch nimmt man sie irgendwie anders wahr. Sagen wir: respektvoller.

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Gut ausgeschlafen starteten wir in unseren ersten Ausflugstag auf Lanzarote. Doch zunächst nahmen wir unser Auto in Empfang. Alles ging schnell und unbürokratisch und schon saßen wir in einem nahezu neuen Seat Ibiza und machten uns auf den Weg Richtung Westküste. Die rostbraunen Vulkanhänge kamen näher, hinter dem Städtchen Yaiza waren die Palmen, Büsche und Felder an der Straße abrupt zu Ende und erstarrte Lava verdunkelte die Landschaft. Bei den letzten großen Eruptionen im 18. Jahrhundert hatte sich die zähe Masse bis nah an den Ort gewälzt und den fruchtbaren Boden unter sich begraben. Eine bizarre Szenerie zerklüfteter Schwärze bis zum Horizont - und mitten hineingewuchtet die Asphaltpiste, auf der wir El Golfo entgegensteuerten.



An unseren ersten Besuch in El Golfo konnten wir uns noch erinnern: Ein zerborstener Krater, halb im Meer versunken, mit einer grün schimmernden Lagune. Der Kratersee schien über die Jahre etwas kleiner geworden zu sein und auch der Zugang zu seinem Ufer war nicht mehr möglich. Doch auch der neue Aussichtpunkt präsentierte das Panorama ein seiner ganzen Pracht. Ein rostbrauner Vulkankegel, von Schichten aller Farbnuancen durchzogen, rötliche Felsen, ein Damm aus schwarzen Lavakörnchen, das weiß schäumende blaue Meer - und in der Mitte ein olivingrüner See. Alle Farben der Insel scheinen hier an einem Ort versammelt. Im Lavasand des Kraters können Olivine gefunden werden, hieß es, doch die grüne Farbe der Lagune stamme nicht etwa von diesen Halbedelsteinen auf dem Grund des Sees, sondern von Algen, die sich in dem salzigen Wasser munter vermehren. An den Verkaufsständen am Parkplatz wurden Schmuck und Andenken aus Olivin angepriesen. Übrigens: Olivin ist ein grünlich-transparenter Halbedelstein, ein Mineral, das sonst nur im Erdmantel zu finden ist.



Von El Golfo aus blieben wir in Küstennähe. Wir waren natürlich vorbereitet und hatten den Inselplan dabei. Das nächste Ziel war Los Hervideros und versprach ein eindrucksvolles Naturschauspiel. Doch die gab es hier in Hülle und Fülle. Immer wieder hielten wir, stiegen aus, kraxelten auf schroffen Klippen herum und genossen in alle Richtungen die Aussicht.



In Los Hervideros kämpft der Atlantik mit erstarrten Lavamassen. Im Hintergrund sind die Krater der Feuerberge zu sehen, von denen aus sich einst der glühende Strom ergoss und ins Meer strömte. Der Ozean ließ die Lava zu Gestein erstarren, formte Grotten und Höhlen und rennt bis in die Gegenwart mit der Kraft seiner Wellen gegen die Felsen an. Eine imposante und bizarre Szenerie, die wirklich Eindruck macht. Naturgewalten? Hier bekamen wir eine Ahnung davon. Das Wasser sprudelte und schäumte durch die Felsspalten, ungestümes Rauschen hallte von den blankgespülten Höhlenwänden zurück. Wir tapsten vorsichtig die schmalen Pfade zwischen den Felsen entlang. Die engen Wege waren teils halsbrecherisch in den Stein geschlagen, führten zu kleinen Plattformen und Aussichtspunkten, von denen aus wir dem Meer beim Sieden in den Grotten zuschauen konnten. Es war leicht, sich vorzustellen, wie bei Sturm hier die Fontänen in den Himmel schießen. Ehrlich: In Deutschland würde man keine Touristen in eine solch waghalsige Anlage lassen. Doch wir waren froh, dies so hautnah erleben zu dürfen.



Die nächste Station waren die Salinas de Janubio. Hier schauten wir uns an, wie aus verdunstendem Meerwasser Salz entsteht. Früher war das weiße Gold unverzichtbar für die Konservierung von Fisch. Heute, lesen wir auf einer Info-Tafel, sei die Salzgewinnung hier nicht mehr ganz so relevant. Interessant war es allemal, zu sehen, wie in den wie Felder angelegten Becken das Salz zu kleinen Pyramiden angehäuft wird.



Der Tag war noch jung, also auf zum Südzipfel der Insel, den Papagayo Stränden. Sie gehören zu den wenigen echten Sandstränden auf Lanzarote. Die meisten Besucher kommen vermutlich mit Ausflugsschiffen, der Weg mit dem Auto führt über eine grob befestigte Straße. Sie beginnt kurz hinter Playa Blanca an einem Tor, an dem ein Pförtner eine Gebühr für die Einfahrt ins Naturschutzgebiet kassiert. Dann geht es ein gutes Stück eine rustikale Piste entlang. Vor uns fuhr ein Wasserwagen, der die Sandstraße besprenkelte, um den Staub zu binden. Wir hielten Abstand, tuckerten langsam und profitierten von diesem Service, als wir von einem Geländewagen überholt wurden.

Die Papagayo Strände sind schon recht abgelegen, aber wirklich idyllisch. Sie liegen unterhalb der Felsen und sind nur über recht steile Abstiege zu erreichen. Um noch einmal auf die Farben zu sprechen zu kommen: Das Wasser ist kristallklar und schimmert karibisch, am Strand schimmert goldgelber Sand. In der Ferne schwimmt die Nachbarinsel Fuerteventura im azurblauen Meer.

An neuen Eindrücken waren wir erstmal satt, doch ein kleiner Hunger meldete sich. Zwar gab es oben auf dem Felsen ein Strand-Restaurant, doch wir beschlossen, uns langsam auf den Rückweg zu machen und unterwegs nach einem Snack Ausschau zu halten.

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