Graffitikunst überwuchert Abhöranlage

Der Teufelsberg in Berlin lockt mit seinen weißen, wie Champignonköpfe anmutenden, Kuppeln, die aus dem Wald herausragen. Ich wollte schon immer einmal dort hin, hatte ich doch kürzlich gelesen, dass die ehemalige amerikanische Abhörstation aus den Zeiten des Kalten Krieges endlich unter Denkmalschutz gestellt worden ist. Also nutzten wir den ersten frühlingsmilden Februartag und schauten uns die Sache einmal aus der Nähe an. Wir waren zu spät oder zu früh, wie man es nimmt. Nach langer Zeit des Verfalls sind Teile der Anlage und vor allem die Aussichtsplattform aus Sicherheitsgründen für Besucher gesperrt. Es empfiehlt sich, Interesse dabei zu haben - für die Geschichte des Ortes oder zumindest für Graffitis.



Zu finden ist der Teufelsberg am Rand des Grunewalds unweit vom Teufelssee, von dem er seinen Namen hat. Er ist keine natürliche Erhebung, sondern wurde nach dem Krieg mit Trümmern aufgeschüttet, die vor allem aus Charlottenburg und Wilmersdorf hierher entsorgt wurden, bis der zweitgrößte Berg Berlins entstanden war. Mit großem Aufwand wurde er in einen Wald zur Naherholung verwandelt und seine Hänge sind heute eine der ersten Adressen für die Mountainbiker der Stadt. Die US-Armee reservierte sich den Gipfel als idealen Standort für eine Abhöranlage. Sie installierte umfangreiche Technik zur Überwachung des Luftraumes und belauschte bis zum Ende des Kalten Krieges den Funkverkehr im Ostblock. Nach dem Abzug der Amerikaner diente die Radaranlage noch einige Jahre der Flugsicherung, um nach der Jahrtausendwende in einen Dornröschenschlaf zu fallen. Die Prinzen, die das Gelände danach wieder wach küssen wollten, scheiterten mit ihren Projekten - der Zahn der Zeit und Vandalismus setzten den Bauten gewaltig zu.



Trotz dieser widrigen Umstände entwickelte sich der Teufelsberg zu einem Ausflugsziel für Touristen. Es gibt eine Ausstellung zur Geschichte des Ortes und regelmäßige Führungen. Leider ist die Plattform zwischen den Radarkuppeln derzeit für Besucher gesperrt. Wer die maroden Bauten sieht, versteht diese Sicherheitsmaßname. Einen spektakulären Blick über die Stadt gibt es also nicht, doch das Gelände ist weitläufig und kann bei einem Spaziergang erkundet werden. Der Eintrittspreis ist somit gerechtfertigt und kann einen kleinen Beitrag für die dringend nötigen Sicherungsarbeiten leisten. Hoffentlich gibt auch der Denkmalschutz bald ein paar Mittel dazu.



Viele Künstler sorgen dafür, dass die ehemalige Radarstation nicht vollends nur wie eine Ruine aussieht. Alle verfügbaren Flächen sind mit Graffitis dekoriert und überall finden sich Kunstobjekte. Es heißt, der Teufelsberg sei die größte und höchstgelegene Street Art Galerie Europas. Abseits der Superlative ist er in jedem Fall ein Stück unverwechselbares Berlin - experimentierfreudig, improvisiert, zerzaust, mit eigenwilligem Flair und überhaupt: gegen den Strich gebürstet.



Unser Besuch auf dem Teufelsberg verlief anders als erwartet, doch wir haben eine interessante und entspannte Zeit hier verbracht. Wie gesagt, es fühlte sich an, als wären wir entweder zu früh oder zu spät gekommen. Viele verschlossene Türen hielten uns auf Distanz. Wir sind noch etwas die Waldwege entlang spaziert und haben uns am Ufer des Teufelssees in die Sonne gesetzt. Wir werden noch einmal wiederkommen, wenn sich das Denkmal gefunden hat.

#Dagewesen: Februar 2019
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