Hoch über Baumwipfeln und Ruinen

Die Beelitzer Heilstätten sind ein verwunschener Ort mit wechselvoller Geschichte. In den letzen Jahren hat sich das Gelände der einstigen Klinik für Lungenkrankheiten zu einem Ausflugsziel entwickelt, obwohl es vor allem durch Ruinen geprägt ist. Das Interesse von Gruseltouristen hat sicher auch der Horrorfilm "Heilstätten" gefördert, den wesentlichsten Anteil hat jedoch der 2015 eröffnete Baumwipfelpfad, mit dem sich die Umgebung aus luftiger Höhe erkunden lässt.



Zum Baumwipfelpfad gehört ein Aussichtsturm. Vierzig Meter über dem Boden vermittelt sich die Weitläufigkeit des Geländes und der Blick reicht über die Wälder bis nach Berlin, das plötzlich ganz nah erscheint. Zwischen den Bäumen sind einige Dächer der Heilstätten zu sehen. 60 Häuser wurden für das Sanatorium auf einer Fläche von 200 Hektar einst in den Wald von Beelitz gestreut. Viele davon sind Ruinen, denen wir beim Spaziergang zum Turm schon begegnet sind, einige haben bereits eine neue Nutzung gefunden und blinken mit frischen Farben.



Der eigentliche Baumwipfelpfad schlängelt sich um die Ruine des so genannten Alpenhauses. Der Dachstuhl des ehemaligen Frauen-Sanatoriums ging in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges in Flammen auf und das Gebäude wurde nie wieder instand gesetzt. Seitdem erobert sich die Natur das Gebäude langsam zurück und hat ein Dach aus Bäumen wachsen lassen.



Die Beelitzer Heilstätten wurden ab 1898 in den Wald gesetzt, weil in Berlin die Tuberkulose um sich griff. Die Lebensbedingungen und hyhienischen Zustände in den Mietskasernen der Gründerzeit hatten die Krankheit zum ernsten Problem gemacht. Es entstand eine Vorzeigeklinik, in der die modernsten medizinischen Erkenntnisse jener Zeit zur Anwendung kamen. Bis zu 1200 Betten hatte das Klinik-Areal nach seiner Fertigstellung. Im Ersten Weltkrieg wurden die Einrichtungen als Lazarett für verwundete Soldaten genutzt, ab 1920 waren die Heistätten wieder Sanatorium, jedoch nur noch für Frauen und Kinder.



Im April 1945 waren die Wälder rund um Beelitz Schauplatz der letzen großen Schlacht des Zweiten Weltkrieges. Die Armee Wenk versuchte, den Ring der Roten Armee um Berlin zu durchbrechen. Die Heilstätten waren zu dieser Zeit wieder Kriegslazarett und hoffnungslos überfüllt. Während der Kämpfe wurde das Lazarett evakuiert und das Dach des Alpenhauses geriet in Brand.

Nach dem Krieg wurden die Heilstätten Sperrgebiet und zum größten Militärhospital der Roten Armee außerhalb der Sowjetunion. Die russische Armee blieb bis zu ihrem Abzug 1994, die Alpenhaus-Ruine wurde derweil sich selbst überlassen und nur mit Warnhinweisen auf russisch bedacht. Danach lag fast das gesamte Gelände der Heilstätten brach. Die Gebäude verfielen, Diebstahl und Vandalismus hinterließen ihre Spuren.



Heute ist in einige Bereiche wieder das Leben zurückgekert. Es wurde saniert, gesichert und unter Denkmalschutz gestellt, doch ein Rundgang über das Gelände bleibt ein besonderes Erlebnis. Die Ruinen verbreiten eine Aura der Vergänglichkeit. Es ist nicht verwunderlich, dass aus den maroden Mauern und trüben Fensterhöhlen auch Gruselphantasien sprießen.

#Dagewesen: April 2018
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