Kommt mit zur Schlösserrundfahrt

Diesmal geht es nicht über Land, ich bleibe gewissermaßen zu Hause, in Potsdam. Zur Anreise genügte mir die Straßenbahn, ihr dürft sogar sitzen bleiben wo ihr seid. Ich nehme euch mit zur Schlösserrundfahrt aufs Deck eines Ausflugsschiffes der Weißen Flotte. Auf der Potsdamer Havel war ich schon oft unterwegs, mit dem Wassertaxi, mit dem Floß, mit dem Dampfer. Ich kenne Schwielowsee und Wannsee vor der Stadt, den Tiefen See und den Jungfernsee in der Stadt. Aber seltsamerweise gibt es nur sehr wenige Fotos davon. Nun endlich habe ich die Rundfahrt ausführlich dokumentiert. Also: Alle Mann an Bord.



Potsdam, das wird sich herumgesprochen haben, wird überall von der Havel umarmt. Mit dem Sacrow-Paretzer Kanal ist die Stadt sogar zur Insel geworden und kann mit dem Schiff umrundet werden. Der Reiz der Havelseen hatte es schon den preußischen Regenten angetan, und sie richteten viele ihrer Schlösser und Parks nach der Flusslandschaft aus. Das Schloss Sanssouci gehört nicht dazu, doch selbst dort sind die Teiche im Park mit der Havel verbunden und die Fontänen der Parkpromenade werden von einem als Moschee getarnten Pumpenhaus an der Neustädter Havelbucht gespeist. Doch genug der Vorrede, das Schiff legt im Hafen zu Füßen des ehemaligen Stadtschlosses ab und unterquert die Lange Brücke Richtung Freundschaftsinsel.



Die Schlösserrundfahrt führt vorbei an der Nuthemündung, dem Neubau am Standort der vom Krieg getilgten Heilig-Geist-Kirche, dem Beginn des ehemaligen Stadtkanals. Alles sehenswerte Stationen, doch um euch nicht mit einer Bilderflut zu langweilen, habe ich mich (durchaus schweren Herzens) für eine reduzierte Bildauswahl entschieden. Hier muss es genügen, euch Lust darauf zu machen, die Runde an einem schönen Tag selbst einmal zu drehen. Fahren wir also durch die Humboldtbrücke und stellen uns vor, wie auf der rechten Seite der Park Babelsberg vorbeizieht - der Flatowturm, die Gerichtslaube, das Matrosenhaus, die Fontäne, das Schloss - alles eingebettet in üppiges Grün. Dann wenden sich alle Blicke der Glienicker Brücke zu, dem Schauplatz der berühmten Agentenaustausche und Symbol der deutschen Teilung. Die Mitte der Glienicker Brücke markierte einst die streng bewachte Grenze nach Westberlin.



Wir orientieren uns weiter nach rechts und fahren vorbei am Schlossgarten Glienicke. Diese Uferseite war zu Zeiten der Berliner Mauer für Potsdamer bereits unerreichbar. Das Schloss Glienicke bleibt hinter Bäumen verborgen, umso stolzer präsentiert sich das Casino Glienicke, im Stil einer italienischen Villa errichtet und in strahlendem Weiß. Hinter dem Gasthaus Moorlake in einer kleinen Havelbucht bäumt sich der Uferwald zu ansehnlichen Hügeln auf. In den Hang gebaut ist das russische Blockhaus Nikolskoe zu sehen, das von der familiären Verbindung der Hohenzollern zum Zarenhof zeugt. Daneben steht die Kirche St. Peter und Paul, gleichsam abgelegen mitten im Wald - und entstanden auf Wunsch einer preußischen Prinzessin, die später einmal Zarin wurde und dort ein Glockenspiel wollte, das über die Havel bis zur Pfaueninsel klingt. Blickfang der Pfaueninsel ist das kleine weiße Schloss an seinem Ufer, das aus sentimentalen oder romantischen Gründen schon als Neubau wie eine Ruine wirken sollte - jedoch allen Ansprüchen seiner königlichen Nutzer genügte. Über die Pfaueninsel gäbe es noch viel zu erzählen, doch wir müssen uns damit begnügen, kurz die imposante Kulisse zu genießen. Das Schiff dreht bei und nimmt Kurs auf den Jungfernsee.



Wie ein festgemachtes Schiff steht die Sacrower Heilandskirche mit ihren schönen Arkadengängen direkt am Fluss. Wieder ein sehr italienisches Ensemble. Der freistehende Glockenturm - den man natürlich Campanile nennen muss - war fast 29 Jahre lang Bestandteil der Berliner Mauer und die Kirche selbst lag unerreichbar im Niemandsland. Mit der Restaurierung nach der Wende sind die Spuren der Verwahrlosung endlich verschwunden. Auch der Neue Garten, dem wir nun nahe kommen, endete lange nicht am Ufer, sondern an der Mauer. Eremitage und Muschelgrotte grenzen heute nur noch an der Havel und der Blick auf das Schloss Cecilienhof ist frei. Das Schloss im englischen Landhausstil wurde erst während des Ersten Weltkrieges als letztes Bauprojekt der Hohenzollern errichtet und war Schauplatz der Potsdamer Konferenz, auf der die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges im Sommer 1945 über die Nachkriegsordnung entschieden.



In Höhe der Meierei, die vor Zeiten die Hofgesellschaft zu versorgen hatte und heute eine Brauereigasthaus ist, wird erneut gewendet und es geht auf dem Jungfernsee wieder zurück. Die Fahrgäste werden darauf aufmerksam gemacht, eine der schönsten Sichtachsen der Potsdamer Schlösserlandschaft nicht zu verpassen. Auf dem fahrenden Schiff öffnet sie sich nur einen kurzen Moment: Durch eine Lücke in den Parkbäumen kann man das Marmorpalais am Heiligen See erkennen, auf der entgegengesetzten Seite ist gleichzeitig das ferne Schloss der Pfaueninsel zu sehen. Doch wie gesagt, die gedachte Verbindung besteht nur für wenige Sekunden. Bei einem Spaziergang im Neuen Garten kann man sie auskosten, so lange man will. Wir nähern uns wieder der Glienicker Brücke, vorbei an der sehr skandinavisch anmutenden Kaiserlichen Matrosenstation Kongsnaes und der Villa Schöningen.



Hinter der Glienicker Brücke liegt das Schloss Babelsberg vor uns - eine Mischung aus englischer Gotik und mittelalterlicher Burgenromantik. Das Schloss, an dem Schinkel, Persius und Prinzessin Augusta ihre Spuren hinterlassen haben, und der Park, der von Lenné geplant und von Fürst Pückler vollendet wurde, sind unbedingt einen eigenen Besuch wert. Der Wunsch, das alles einmal aus der Nähe zu sehen, ist spätestens erwacht, wenn die Havelfontäne passiert ist. Kurz vor der Humboldtbrücke geht es vorbei am Kulturstandort Schiffbauergasse. Wie der Name erahnen lässt, wurde hier früher schwer gearbeitet, heute stehen keine Werft und keine Gasanstalt, sondern das Hans Otto Theater am Ufer. Die Potsdamer Innenstadt ist erreicht. Ein letzter Blick auf die Freundschaftsinsel und schon werden die Haltetaue zur Anlegestelle hinübergeworfen.

Mit der Schlösserrundfahrt lassen sich die wichtigsten Potsdamer Sehenswürdigkeiten am Wasser auf einen Streich entdecken. Ich hoffe, ihr habt Lust bekommen, die Fahrt auf der Havel einmal selbst zu erleben. Sie dauert nur 90 Minuten und lässt sich prima mit einem Sanssouci-Besuch verbinden. Erst ein paar Stunden durch die Parkwege schlendern und dann, die müden Beine ausgestreckt, ganz entspannt mit dem Schiff Schlösser und Landschaft schauen - am besten bei einem Glas Berliner Weiße mit Schuss.

#Dagewesen: Mai 2018
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