Raus aus der Stadt, rein ins Mittelalter

Das Museumsdorf Düppel liegt am südlichen Rand des Berliner Stadtbezirks Zehlendorf, ungefähr da, wo die Strecke der ehemaligen Stammbahn auf die Kleinmachnower Seite wechselt. Bei einem Besuch lässt man mit wenigen Schritten die Stadt hinter sich - sie wird, trotz der unmittelbaren Nähe, tatsächlich unsichtbar - und findet sich im frühen Mittelalter wieder. Durch das Tor einer rekonstruierten Palisade geht es in ein Dorf, das hier genau so und an dieser Stelle vor etwa 800 Jahren existiert hat.



Auf der Grundlage von bei archäologischen Grabungen gefundenen Siedlungsresten wurde ab 1975 begonnen, die Dorfanlage als Freiluftmuseum wieder erstehen zu lassen. Aus den freigelegten Grundrissen ehemaliger Gebäude wuchsen in historischer Bauweise wieder Wände und Dächer. Bei der Innenaustattung orientierte man sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen über das ländliche Leben im ausgehenden 12. Jahrhundert. Entstanden ist ein Museumsdorf, in dem die Besucher den Alltag der damaligen Bewohner nachempfinden können. Dazu gehört altes Handwerk genauso wie Feldwirtschaft und Tierhaltung. Auch auf den Ländereien rings um das Dorf finden sich Anschauungsbeispiele dafür, wie experimentelle Archäologie funktioniert.



Wir erkundeten bei unserem Besuch das Dorf auf eigene Faust. Natürlich gibt es sachkundige Führungen, doch vermittelt sich bereits bei einem interessierten Rundgang, wie versiert und doch mühsam die mittelalterlichen Bewohner im Backhaus, in der Schmiede, am Töpferstand, am Webstuhl im Getreidespeicher oder auf dem Feld für ihre Lebensgrundlagen sorgten. Es ist schon spannend zu sehen, wie alles, was man an Nahrung, Werkzeug, Hausrat und Kleidung benötigte, selbst hergestellt werden konnte. Auch alte Haustierrassen und Nutzpflanzen, die teilweise zurückgezüchtet wurden, gibt es zu sehen.



Bei unserem Besuch im Museumsdorf war gerade Saisoneröffnung mit vielen Mitmachständen und einem Ostermarkt. Das Schmiedefeuer brannte, es wurde gewebt, geschnitzt und getöpfert. Die Spielaktionen und Darbietungen fanden besonders bei Kindern großen Anklang. Doch auch Erwachsene erleben hier eine lehrreiche wie unterhaltsame Stippvisite in einer Zeit, als Berlin noch auf eine kleine Spreeinsel passte.

#Dagewesen: April 2018
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