Museumsdorf Düppel: Besuch im Mittelalter

Wir sind im Süden von Berlin, wo der Stadtbezirk Zehlendorf an Kleinmachnow grenzt. Hier verlief fast drei Jahrzehnte lang die Berliner Mauer und wo einst bewaffnete Posten patrouillierten, flanieren heute Spaziergänger. Noch früher rumpelten hier die Züge der Stammbahn über die Gleise und verbanden Berlin mit Potsdam. Die Stammbahn war die erste Bahnstrecke in Preußen und es kann sein, dass es sie irgendwann wieder geben wird. Alles sehr interessant, doch das Museumsdorf Düppel hat mit solch neuzeitlichen Dingen nichts am Hut. Hier macht die Geschichte einen viel größeren Schritt und muss Archäologie genannt werden.
Zwischen Büschen und Bäumen führt der Weg vom Kassenhäuschen direkt ins frühe Mittelalter. Durch das Tor einer rekonstruierten Palisade aus Holzstämmen kommen wir in ein Dorf, das hier genau so und an dieser Stelle vor rund 800 Jahren existiert haben soll. Hinter dem Tor ist eine riesige Pfütze und es gibt nur einen schmalen Pfad, dessen Boden von den vielen Besuchern in glitschige Pampe verwandelt worden ist. Die Zeitreise komplettiert sich: Dem Schuhwerk sieht man fast nicht mehr an, aus welchem Jahrhundert es stammt.
Dass sich auf diesem Gelände vor lange Zeit ein Dorf befunden haben muss, weiß man seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Scherben und andere Alltagsgegenstände ließen eine mittelalterliche Herkunft vermuten. Bis zu ersten archäologischen Grabungen dauerte es aber noch viele Jahre. Sie brachten Fundamente, Brunnen und Zäune zutage, mit denen die Lage und das Aussehen des Dorfes bestimmt werden konnten. Auf der Grundlage dieser Siedlungsreste wurde ab 1975 begonnen, den Fundort als Freiluftmuseum wieder erstehen zu lassen.
Aus den freigelegten Grundrissen ehemaliger Gebäude wuchsen in historischer Bauweise wieder Wände und Dächer. Bei der Innenausstattung orientierte man sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen über das ländliche Leben im ausgehenden 12. Jahrhundert. Entstanden ist ein Museumsdorf, in dem die Besucher den Alltag der damaligen Bewohner nachempfinden können. Dazu gehört altes Handwerk genauso wie Feldwirtschaft und Tierhaltung. Auch auf den Ländereien rings um das Dorf finden sich Anschauungsbeispiele dafür, wie experimentelle Archäologie funktioniert.
Wir erkundeten bei unserem Besuch das Dorf auf eigene Faust. Natürlich gibt es sachkundige Führungen, doch vermittelt sich bereits bei einem interessierten Rundgang, wie versiert und doch mühsam die mittelalterlichen Bewohner im Backhaus, in der Schmiede, der Töpferwerkstatt, am Webstuhl, im Getreidespeicher oder auf dem Feld für ihre Lebensgrundlagen sorgten. Es ist schon spannend zu sehen, wie alles, was man an Nahrung, Werkzeug, Hausrat und Kleidung benötigte, selbst hergestellt werden musste. Auch alte Haustierrassen und Nutzpflanzen, die teilweise zurückgezüchtet wurden, gibt es zu sehen.
Bei unserem Besuch im Museumsdorf war gerade Saisoneröffnung mit vielen Mitmachständen und einem Ostermarkt. Das Schmiedefeuer brannte, es wurde gewebt, geschnitzt und getöpfert. Die Spielaktionen und Darbietungen fanden besonders bei Kindern großen Anklang. Doch auch Erwachsene erleben hier eine lehrreiche wie unterhaltsame Stippvisite in einer Zeit, als Berlin noch auf eine kleine Spreeinsel passte.

Zeitstempel: April 2018
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