Wildpark Potsdam: Königliches Jagdrevier

Wir haben Schnee in Potsdam, die Sonne scheint und es ist Sonntag. Was liegt näher als ein Spaziergang im Wald? Im Wildpark waren wir lange nicht. Wir beginnen unsere Runde am Forsthaus Sanssouci-Tor gegenüber dem Kaiserbahnhof, wo die Hirschskulpturen den Eingang bewachen, und schlendern auf das große Wegekreuz zu. Hinter dem Forsthaus ist einiges los, doch im Wegegeflecht des Wildparks zerstreuen sich die Besucher schnell. Die Familien haben Schlitten für die Kinder dabei, einige Leute sind mit Langlaufskiern unterwegs, doch die Spaziergänger wie wir überwiegen. Alle erfreuen sich an der Winterwelt, die heute besonders glänzt, weil der frisch gefallene Schnee sehr feucht ist und kleidsam an den Zweigen klebt. Sonne und Brise machen sich den Spaß, hin und wieder einen Schneeklumpen aus dem Geäst auf den Weg schubsen. Manchmal gibt es dort sogar eine Schulter zu treffen.
Vor uns liegt das Wegekreuz, der zentrale Punkt des Wildparks, an dem alle wichtigen Wege sternförmig zusammenlaufen. Dort steht, weithin sichtbar, ein großer Futterschirm. Er wurde einst von der Pfaueninsel hierhergeholt, um mit ihm die Mitte des Wegesterns zu markieren. Hofgärtner Peter Joseph Lenné war ab 1840 mit dabei, als aus dem Wald ein Wildgehege wurde, der auch Elemente eines Parks aufweisen sollte. Es galt einen königlichen Wald, ein Jagdrevier, den Wildpark zu gestalten. Futterschirm erweist sich bis heute als gute Idee. Auf den zentralen Wegen ist er schon aus der Ferne zu erkennen und dient als nützliche Orientierung im Wegegeflecht.
Interessant zu wissen ist auch, dass der Wildpark einst hunderte Hektar groß war und komplett von einem 12 Kilometer langen Zaun umgeben war. Innerhalb des Geheges wurde Rot- und Damwild gehalten. Für die Hege, Pflege und Fütterung des Wildbestandes und für die Jagden des königlichen Hofes wurden im Wildpark einige Gebäude, wie die Wildmeisterei und die Forsthäuser, errichtet. So wurde immer für einen reichlichen Wildbestand gesorgt, was dem weidmännischen Stolz der herrschaftlichen Schützen auf ihre Jagderfolge keinen Abbruch tat. Einige Gedenksteine an den Wegen zeugen davon. Ein Beispiel gibt auf dem Foto zu sehen, leider ist die Inschrift nicht sehr leserlich. Sie lautet: „Se. M. Der Kaiser Wilhelm I. erlegte hier einen weißen Edelhirsch von 12 Enden am 11. August 1884“. Der letzte Edelhirsch im Wildpark wurde nur ein Jahr später geschossen, danach neigte sich die große Zeit als Jagdgehehe dem Ende.
Eine weitere einschneidende Veränderung brachten die ausgehenden 50er Jahr des letzten Jahrhunderts. Mit der Errichtung des Eisenbahnringes um Berlin wurde eine Bahnlinie mitten durch den Wildpark gelegt. Früher war der Wildpark eine bis nach Geltow reichende, zusammenhängende Waldfläche.
Das alles muss man für einen Spaziergang durch den Wildpark nicht wissen. Es genügt, die Natur, die Waldluft und die Schönheit einer gestalteten Kulturlandschaft zu genießen. Und doch macht es Spaß, die eine oder andere Spur der Geschichte deuten zu können. Am Ende unserer Runde durch den Schnee stehen wir wieder vor den beiden Edelhirschen auf den Sockeln des Sanssouci-Tores. Auch sie sind echte Kunstwerke mit Geschichte: Der berühmte Bildhauer Christian Daniel Rauch hat sie geschaffen. Nach 1945 wurden sie von der Roten Armee abgebaut und in ihr militärisches Hauptquartier nach Wünsdorf gebracht. Erst 2006 kehrten die Hirsche wieder an ihren angestammten Platz am Wildpark zurück.

Zeitstempel: Januar 2021
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